Auszeichnung des Netzwerkes Bildung 2018 zum Thema Elternarbeit - Stark! Klar! Mit Eltern!

Alle Fotos: Angela von Brill

Gemeinsam geht es besser: Das Zusammenwirken von Eltern und Pädagogen ist für den Bildungsweg von Kindern mit entscheidend. Viele Einrichtungen stellen sich dieser Herausforderung und gestalten das Zusammenwirken mit Müttern und Vätern aktiv. Das stärkt die Beziehungen zwischen Pädagogen, Eltern und Kindern und sorgt mit dafür, dass KiTa oder Schule für alle zum gemeinsamen Lebensraum werden. Das Netzwerk Bildung hatte mit einem Wettbewerb alle Bildungseinrichtungen in Osnabrück und im Landkreis Osnabrück dazu aufgerufen, sich mit guten Ideen und den eigenen Konzepten bzw. Projekten zu bewerben. Eine fachkundige Jury hat unter den eingereichten Vorschlägen vier besonders vorbildliche Projekte mit Vorbildcharakter aus der Praxis für die Praxis ausgewählt. Diese wird das Netzwerk Bildung mit jeweils 2.500 € unterstützen. Die feierliche Auszeichnung fand am 27. September 2018 in der Katholische Familienbildungsstätte in Osnabrück statt. Es wurden ausgezeichnet:

- das Projekt "Griffbereit" der Ev. Familien-Bildungsstätte e.V. Osnabrück

- das Projekt "Fair AG" der Grundschule St. Martin in Hagen a.T.W.

- das Projekt "Schwimmkurs" der KiTA St. Lambertus in Ostercappeln

- das Projekt "Bildungs-/Wahlabend" des Kindergartens St. Martinus in Hagen a.T.W.

Eingerahmt war die Feierstunde, die von Ludger Abeln, Caritasverband für die Diözese Osnabrück e.V., moderiert wurde, von einem abwechslungsreichen Programm, zu dem das Steckdosentheater der Geschwister-Scholl-Oberschule Bad Laer und die Rockband „Fast`n´Now“ des Gymnasiums in der Wüste beitrugen.

Nachfolgend die Laudationes für die ausgezeichneten Projekte bzw. Institutionen:

 

Laudatio für die Ev. Familienbildungsstätte e.V. Osnabrück / Projekt "Griffbereit"

(Heiko Frankenberg, Mitglied des Vorstands der Andrea Kuhl-Stiftung)

Wie und was kann ich mit meinem Kind spielen? Wie kann ich meinem Kind helfen, die Welt spielend zu begreifen? Wie lernt mein Kind am besten? Wie machen das andere Eltern? Gerade in den ersten Jahren sind Eltern die wichtigsten Partner ihrer Kinder beim Entdecken und Begreifen der Welt, beim Spielen und beim Lernen. Um diese Partnerschaft zu unterstützen, bietet seit März 2016 die Ev. Familienbildungsstätte e.V. Osnabrück verschiedene Eltern-Kind-Gruppen an, die auf Basis des Konzepts „Griffbereit“ in Familienzentren vor Ort oder im Familientreff der Fabi durchgeführt werden. Zielgruppe sind Eltern mit Kindern von 1 bis 3 Jahren, insbesondere Familien mit Zuwanderungsgeschichte und mehrsprachige Familien. Durch das Konzept „Griffbereit“ sollen Eltern erreicht werden, die bisher noch keine oder wenig Erfahrung mit deutschen Bildungseinrichtungen machen konnten. So profitieren vor allem Eltern von Kleinkindern, die z. B. noch keinen Krippen- bzw. Kita-platz oder noch wenige Deutschkenntnisse haben, durch den Austausch mit anderen Eltern und den Kursleiter*innen. Sprechen, Spielen, Bewegen, Singen und Basteln, so lautet das Motto der einmal in der Woche stattfindenden Treffen. Und hierzu bekommen die Eltern diverse Materialen und Tipps an die Hand, damit sie Vieles aus den Kursinhalten auch zu Hause weiterführen können. Während der Gruppentreffen werden die deutsche und die Muttersprachen gesprochen. Auch der lockere Austausch in netter Runde bei Kaffee und Tee gehören zu den Treffen dazu. Inhaltliche Ziele für die Gruppen bei der Durchführung der Kurse sind die der Stärkung der Selbstkompetenz der Eltern, die Erweiterung der Sprachkompetenzen (sowohl bei den Kindern als auch bei den Eltern) und die Steigerung der Sozialisationskompetenz der Eltern. Hierzu werden Eltern in ihrer Rolle als wichtige Vorbilder und als Erziehungsexperten respektiert und unterstützt. Sie erfahren, wie sie die Kinder spielerisch (ohne besonderes Spielzeug) in entwicklungs- und sprachfördernde Situationen bringen können. Dabei werden sowohl die Erstsprachen als auch die deutsche Sprache gefördert, indem Eltern bestärkt werden, ihre Kinder bilingual zu erziehen. Des Weiteren vernetzen die „Griffbereit“-Gruppen Eltern mit pädagogischen Einrichtungen. Beispielsweise werden sie über für Familien relevante Orte und Angebote in ihrem sozialen Raum informiert und dar-über hinaus ermutigt, z. B. aktiv durch einen gemeinsamen Ausflug in die Stadtbibliothek, eine öffentliche Einrichtung aufzusuchen und zu erkunden. Die Teilnahme an den Treffen ist kostenlos und durch die Wertschätzung der Muttersprachen soll das Selbstwertgefühl der Eltern gesteigert und die Hemmschwelle gegenüber den Angeboten der Bildungseinrichtungen gesenkt werden. Diese Schwellensenkung kommt auch unter anderem dann zum Tragen, wenn zusätzlich zum Basisangebot zu bestimmten Themen verschiedene Fachleute eingeladen werden (z. B. zum Thema „Zahngesundheit“), wodurch Eltern erreicht werden können, die üblicherweise nicht zu offiziellen Vorträgen dieser Art gehen. Einige der Eltern engagieren sich zudem in besonderer Weise. Sie arbeiten sich selbst (mit Unterstützung der Mitarbeiter*innen der Ev. Fabi) vertiefter in das Sprachförderkonzept „Griffbereit“ ein und helfen anschließend als begleitende Assistenten den Kursleiter*innen bei der Betreuung neuer Eltern-Kind-Gruppen. Da durch „Griffbereit“ ein besonders niederschwelliges Bildungsangebot bereitgestellt wird, wo die Eltern nicht nur in passiver Weise Informationen zu Erziehungsfragen und Fördermöglichkeiten erhalten, sondern gemeinsam mit ihren Kindern in ganz aktiver Form eingebunden sind, sodass man auch gleich sehen kann, wo es ankommen soll – nämlich bei den Kindern, und weil dieses Angebot schon seit einigen Jahren erfolgreich besteht, möchten wir vom Netzwerk Bildung diese spezielle Elternarbeit der Ev. Familienbildungsstätte auszeichnen.

 

Laudatio für die „Fair-AG“ der Grundschule St. Martin, Hagen a.T.W

(Ina Eversmann, Geschäftsführerin der Bildungsstiftung für Kinder und Jugendliche im Osnabrücker Nordland

In dem Ausschreibungstext für die Auszeichnung steht: „Eltern machen ihre Kinder startklar für das Leben, setzen sich für sie ein, machen sie stark“. Projekte, die unter anderem dieses Kriterium erfüllen haben wir gesucht und mit der Fair-AG der Grundschule St. Martin definitiv gefunden. Im Leitbild der Schule "Schule mit Herz" steht unter anderem: „Wir arbeiten eng zusammen und legen Wert auf eine gute Kooperation“. Die Fair-AG der Grundschule wird diesem Anspruch gerecht. Die Fair-AG ist ein Gewaltpräventionsprojekt und unterstützt die Kinder in ihrer Wahrnehmung und der Bereitschaft, dem anderen Empathie und Wertschätzung entgegenzubringen. 2014 wurde das Konzept der Fair-AG an der Schule vorgestellt. Und obwohl zunächst einige Zweifel bestanden, ob das so funktionieren kann, fanden sich spontan 20 Elternteile (zur Zeit sind es 14, ausschließlich Mütter) mit der Bereitschaft zur Umsetzung. Die Idee sieht so aus, dass Eltern in den 4. Klassen jeweils zu dritt eine AG-Schulstunde pro Woche leiten und von der Klassenlehrkraft unterstützt werden. Zunächst wurden die Eltern ein halbes Jahr von 2 Deeskalationstrainern betreut und begleitet und leiten die Stunden seitdem eigenständig. Die Fair-AG-Stunde hat eine feste Struktur mit einem Warming up, Cool down und einem inhaltlichen Hauptteil, der Themen wie Gemeinschaft, Kooperation, Kommunikation, Gefühle, Bedürfnisse, Vertrauen, Gewalt, Eskalation, Deeskalation, Mobbing, Soziales Lernen und Gewaltprävention umfasst. Zusätzlich erhalten die Kinder (und Eltern) zu Beginn der Fair-AG mit ihrem Namen bedruckte T-Shirts, die in jeder AG-Stunde getragen werden und so die Identifikation mit der AG unterstützen. Ein weiteres Ziel der AG ist es, die Kinder für den Übergang in die Weiterführenden Schulen zu stärken, damit sie als selbstbewusste und selbstkompetente Kinder ihren Weg weiter gehen können. Und die Rückmeldungen aus den umliegenden Weiterführenden Schulen geben der AG, der Schule und den Eltern recht: die Kinder bringen eine hohe soziale Kompetenz mit, der Übergang scheint reibungsloser und positiver zu verlaufen. Und dieses Empfinden spiegelt sich auch in den Familien wieder, wo die Inhalte der AG oftmals weiter vertieft und gefördert werden. Mit großem Respekt hat die Jury neben dem emotionalen auch den zeitlichen Aufwand wahrgenommen. Mit Vor- und Nachbereitung, Reflexion der einzelnen Stunden, Protokollführung und dem regelmäßigen Austausch untereinander, beträgt der freiwillige Aufwand der Elternteile ca. 2-3 Stunden pro Woche. Mit dem Bewusstsein, dass für die Kinder eine Verlässlichkeit sehr wichtig ist, übernehmen die Eltern somit viel Verantwortung. Und das scheinen sie nicht nur aus einer Verpflichtung heraus zu tun, sondern mit viel Engagement, Herzblut und Initiative. Das funktioniert nur, weil Schule und Elternhaus eine Bildungspartnerschaft eingehen, die einer Auszeichnung würdig ist. Eltern und auch die Schulleitung haben gemeinsam bestätigt: „Die Klasse wächst enger zusammen, gemeinsam sind wir stärker“. Um es mit Liedzeile der „Fantastischen Vier“ zu untermauern: „Denn nur zusammen ist man nicht alleine“. Und dazu passt ein weiterer Auszug aus dem Leitbild der Schule: „Im gesamten Schulalltag möchten wir die Schülerinnen und Schüler zum Lernen inspirieren und herausfordern sowie sie in ihren sozialen Kompetenzen und ihrer Selbstständigkeit stärken. Hierbei nehmen wir die Anstrengungsbereitschaft der Kinder ernst, berücksichtigen ihre körperlich, psychisch und sozial unterschiedlichen Voraussetzungen und stärken sie in ihrer Persönlichkeit, indem wir bewusst mit Unterschieden leben, niemanden ausgrenzen und uns gegenseitig akzeptieren.“ Die Fair-AG der Grundschule St. Martin -und damit insbesondere die Elternschaft- trägt zur Umsetzung dieses Leitbildes elementar bei. Deshalb zeichnet das Netzwerk Bildung der Stiftungen diese gelungene Arbeit aus. Herzlichen Glückwunsch und vielen Dank für die Übernahme von Verantwortung.

 

 

Laudatio für den Kindergarten St. Lambertus in Ostercappeln

(Heiko Frankenberg, Mitglied des Vorstands der Andrea Kuhl-Stiftung)

Ostercappeln, man schrieb das Jahr 2015 und fragte sich, ob aufgrund rechtlicher Vorgaben eine ca. 30-jährige Tradition nun enden musste. Diese Frage stellten sich die Erzieherinnen und die Eltern der Vorschulkinder des St. Lambertus Kindergartens. Schon seit Jahrzehnten konnten dort nämlich die Kinder während der regulären Kindergartenzeiten am Vormittag das Schwimmen lernen. Auch viele der heutigen Eltern können sich noch an das Angebot erinnern, da sie selbst als Kinder vor langer Zeit daran teilgenommen haben. Doch durch die rechtlichen Veränderungen durften die Erzieherinnen neuerdings die Kinder nicht mehr ins Schwimmbad begleiten. Es musste also eine Lösung her! Es wurde die Schwimmkurs-Initiative ins Leben gerufen. Das bedeutete, dass durch das beherzte Engagement der Eltern der Schwimmkurs nach wie vor stattfinden konnte … und weiterhin auch kann. Die Mitarbeiter des Kindergartens tragen inzwischen keinerlei Verantwortung mehr. Das Einzige, wofür sie lediglich (noch) zu sorgen haben, ist, dass an den Tagen, an denen der Kurs stattfindet, die teilnehmenden Kinder pünktlich zu 9:00 Uhr vor der Kita stehen, um unter Elternaufsicht von einem Großraumtaxi abgeholt und zum Hallenbad nach Bohmte gebracht zu werden. Gegen 10:45 Uhr ist jeweils die Rückfahrt von Bohmte nach Ostercappeln angesetzt. Seit 2015 planen nun die Eltern der Vorschulkinder den Schwimmkurs vom Transport zum Schwimmbad bis zur Betreuung in den Umkleideräumen. Der Kurs als solches wird von den Bade-meistern des Hallenbads Bohmte durchgeführt. Hierbei werden sie von einer ehrenamtlichen Ret-tungsschwimmerin des örtlichen DLRG-Vereins unterstützt. In der Regel findet dieser Kurs dreimal wöchentlich am Vormittag statt und umfasst 16 bis 17 Termine. Die Basis-Organisation des Kurses übernehmen zunächst zwei bis drei Eltern. Da sich später dann alle Eltern der Schwimm-Kinder bei der Kursbegleitung abwechseln, ist der Aufwand für die einzelnen Eltern eher gering; meist beschränkt dieser sich auf ein bis zwei Fahrtermine. Ein besonderes Highlight ist das sogenannte „Abschlussschwimmen“. Hierzu sind alle Eltern der am Kurs teilnehmenden Kinder eingeladen, sodass die Kinder ihren Eltern zeigen können, was sie gelernt haben. Darüber hinaus werden für diesen Abschluss auch andere Eltern eingebunden, deren Kinder nicht teilnehmen bzw. noch nicht teilgenommen haben, da der Schwimmkurs für die Vorschulkinder vorbehalten ist. Diese Eltern helfen bei der Vorbereitung und bei der Durchführung des Abschlusstermins (d. h. Frühstück im Kindergarten im Anschluss an das letzte Schwimmen), weil die Schwimmkurs-Eltern sich ja zu der Zeit mit den Kindern, der Rettungsschwimmerin vom DLRG und den Bademeistern noch im Schwimmbad befinden. Sollte ein Kind es in der regulären Zeit einmal nicht schaffen, sein Schwimmabzeichen zu erwerben, so besteht ohne weitere Kosten die Möglichkeit, noch an Nachmittagskursen teilzunehmen, die vom Schwimmbad in Bohmte bzw. von der DLRG angeboten werden. Damit auch sonst kein Kind unnötig auf den Kurs verzichten muss, ist zudem für Unterstützung gesorgt, falls Eltern z. B. aufgrund von finanziellen Einschränkungen ihr Kind nicht anmelden könnten (auch wenn sich die anfallenden Kosten pro Kind mit ca. 130 € sicherlich in einen fairen Rahmen bewegen). Durch die Arbeit der Eltern wird zum einen für Nachhaltigkeit gesorgt (Aufrechterhaltung der langjährigen Tradition) und zum anderen ein Bildungsauftrag erfüllt. Der Vorteil des Schwimmkurses im Vorschulalter liegt u. a. darin, dass die Kinder das Schwimmen im Großen und Ganzen noch unter weit spielerischen Bedingungen erlernen können, als dies sicherlich zum Zeitpunkt des späteren Schulbesuchs möglich ist. Nicht zu vergessen ist auch, dass heutzutage z. T. sogar viele Kinder gar nicht mehr Schwimmen lernen. Daher kommt z. B. den im Kindergarten integrierten Flüchtlingskindern der Schwimmkurs besonders zugute, die u. U. in ihrem ursprünglichen Heimatland vielleicht kaum die Chance bekommen hätten, das Schwimmen zu lernen. Da die Schwimmkurs-Initiative ganz erheblich durch die Selbstorganisation der Eltern getragen wird, können wir wahrlich von „Elternarbeit“ sprechen und zeichnen es daher vom Netzwerk Bildung aus.

 

Laudatio für den Kindergarten St. Martinus in Hagen a.T.W.

(Michael Prior, Sprecher des Netzwerkes Bildung und Geschäftsführer der Friedel & Gisela Bohnenkamp-Stiftung)

Was sind Sachen, die Kinder stark machen? Ein ganz besonders gestalteter Elternabend in der St. Martinus-Kita in Hagen gab darauf folgende Antworten: Liebe schenken. Streiten können. Zuhören können. Grenzen setzen. Freiraum geben. Gefühle zeigen. Zeit haben. Mut machen. Glauben. Einmal im Jahr ist Wahlabend in Hagen, der im Kindergarten St. Martinus zum Bildungsabend für die Eltern wird. „Acht Sachen, die Kinder stark machen“ war nur ein Thema für solch einen Elternabend. Andere Themen lauteten z.B. „Spielend leicht die Welt erobern“ oder in diesem Jahr „Nimm dir Zeit“. Solche Titel machen schon Lust auf Mehr. An Stationen bekommen die Eltern durch das Kita-Team oder durch eingeladene Experten von außen Anregungen, wie sie ihre Kinder stärken können und fit machen für die Zukunft. Während die Stationen durchlaufen werden, wird durch die Eltern auch noch ein Imbiss vorbereitet. Und am Ende steht dann die Verkündung des Wahlergebnisses der neuen Elternvertretung. Danach wird gefeiert, gegessen und getrunken. „Bildung soll Freude machen“, sagte uns die Leiterin, Frau Dorothea Wöstemeyer, bei unserem Besuch vor einigen Wochen. Und dass das möglich ist, das haben wir gemerkt. Wir Stiftungsvertreter haben mit Kita-Leitung und Eltern viel gelacht, als wir uns über den Wahlabend austauschten. Diesen Abend so aufwändig zu gestalten, war anfangs im Team der Einrichtung kein Selbstläufer. Lohnt sich der Aufwand? Was soll das bringen? Stationen für Eltern – „das haben wir ja noch nie gemacht…“ Heute nach 10 Jahren, ist der Wahlabend das Highlight im Kindergartenjahr. Und dass bei den Wahlabenden über 80 % der Eltern kommen, spricht für sich. So hat Hagen einmal im Jahr ein echtes Babysitter-Problem. Aber das nur am Rande… Dass dieser besondere Elternabend trotz aller Kurzweiligkeit nachhaltig ist, dass zeigt das Gesamtkonzept der Elternarbeit im Martinus-Kindergarten. Es gibt jährlich zusätzlich zwei Elternrunden am Nachmittag inklusive Kinderbetreuung, wo Themen des Wahlabends vertieft werden können. Hinzu kommen vier weitere Elternabende sowie zweimal im Jahr Elterngespräche „Auf ein Wort“. Und bevor ein Kind die Einrichtung besucht, wird jede Familie vorher von den Fachkräften besucht. Im Leitbild der Einrichtung heißt es dazu: „In unserem Kindergarten nehmen wir die Vielfältigkeit der Lebenswirklichkeit heutiger Familien wahr und berücksichtigen diese in der täglichen Arbeit. Dabei unterstützen wir die Bemühungen in den Familien zu einer ganzheitlichen, personalen Entfaltung als Schutzraum für jedes Kind. In dieser gemeinsamen Gestaltungsaufgabe mit den Eltern setzen wir auf verlässliche Beziehungen. Wir bemühen uns in der Arbeit mit den Eltern um wohlwollenden und achtsamen Umgang. In der gemeinsamen Erziehungsarbeit bieten wir unsere Hilfen an und machen unsere Arbeit transparent. So verstehen wir Mitarbeiterinnen im Martinus-Kindergarten uns als Ergänzung zu den in der Hauptverantwortung stehenden Eltern unserer Kinder.“ Die Transparenz in die Arbeit der Fachkräfte spiegelt sich im Kindergarten auch architektonisch wider. In jede Gruppe können die Eltern durch Fenster von außen sehen, was drinnen gespielt wird. Das gibt Eltern ein noch besseres Gefühl. Eine Mutter sagte uns beim Besuch: „Ich habe nicht nur das Gefühl, dass mein Kind hier gut aufgehoben ist. Auch ich als Elternteil habe ein gutes Gefühl. Wir Eltern sind hier nicht außen vor, sondern Teil eines Ganzen.“ Und Frau Wöstemeyer, die Leiterin, ergänzte: „Nicht besser wissen, sondern mit den Eltern gemeinsam auf dem Weg! Darum ist eine gute Dosierung von Bildung so wichtig“. Mit dem Wahlabend, der ein ganz besonderer Bildungsabend für Eltern ist, hat der Martinus-Kindergarten die richtige Dosierung gefunden und wird darum für dieses Projekt und seine Elternarbeit vom Netzwerk Bildung ausgezeichnet.