Ein Aufruf zum mutigen Denken

Organisatoren, Unterstützer und Teilnehmer der Herbstakademie freuten sich über den inspirierenden Vortrag von Ernst Ulrich von Weizsäcker (Dritter von rechts) zum Schutz unseres Planeten (Foto: Bohnenkamp-Stiftung/Uwe Lewandowski)

Über die Zukunft der Erde diskutierte Prof. Dr. Dr. h.c. Ernst Ulrich von Weizsäcker mit 130 Schülerinnen und Schülern in der Aula der Universität Osnabrück (Foto: Bohnenkamp-Stiftung/Uwe Lewandowski)

Ernst Ulrich von Weizsäcker diskutierte mit Gymnasiasten bei der Herbstakademie 2017 in Osnabrück

Osnabrück, 12. September 2017

Zu mehr Mut, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen rief Prof. Dr. Dr. h.c. Ernst Ulrich von Weizsäcker sein Publikum im Osnabrücker Schloss auf. Der Ko-Präsident des Club of Rome war bei der Auftaktveranstaltung der diesjährigen Herbstakademie zu Gast. In der Aula der Universität Osnabrück hatte er mit 130 Oberstufenschülerinnen und -schülern aus der Region Osnabrück über die Zukunft unseres Planeten diskutiert. Zuvor hatte er unter dem Titel „Unterwegs in eine enkeltaugliche neue Aufklärung 2.0“ den jüngsten Bericht an den Club of Rome vorgestellt. Das Buch „Wir sind dran“ wird im Oktober dieses Jahres veröffentlicht, Anlass ist das 50. Jubiläum des Club of Rome im Jahr 2018.

Von der Aufforderung des Naturwissenschaftlers und Politikers machten einige der jungen Gäste gern Gebrauch. So fragte eine Schülerin nach Möglichkeiten der konkreten Umsetzung der Ideen aus dem Bericht an den Club of Rome. Eine junge Muslima widersprach den Äußerungen von Weizsäckers über den Koran. Der renommierte Wissenschaftler beantwortete die Fragen zumeist detailliert – wies aber auch darauf hin, wenn er eine Antwort mal nicht geben konnte, und zeigte auch damit, dass Wissenschaft und Erkenntnis Dinge sind, die wachsen müssen.

„Ich freue mich, dass die Schülerinnen und Schüler gezeigt haben, wie viele Gedanken sie sich um die Zukunft der Erde machen. Ganz besonders freut es mich, dass sie diese Gedanken auch öffentlich äußern“, sagte Michael Prior nach der Veranstaltung als Sprecher des Netzwerkes Bildung. Das Netzwerk unterstützt die Herbstakademie organisatorisch.

Mit der jährlichen Herbstakademie werden besonders begabte und motivierte Schülerinnen und Schüler gefördert. Das ist das Ziel einer Zusammenarbeit von acht Gymnasien der Region mit der Universität und der Hochschule Osnabrück. Mit angewandten Projekten erhalten sie erste Einblicke in die Arbeitsweise von Universitäten und Fachhochschulen. Zudem lernen sie unter fachkundiger Anleitung, sich mit einem Thema wissenschaftlich auseinanderzusetzen. „Bei der Herbstakademie können sie neue Ideen entwickeln und ihre Umwelt erfahren“, sagte Prof. Dr. Joachim Härtling, Vizepräsident für Studium und Lehre der Universität, in seinem Grußwort zu Beginn der Veranstaltung. An drei Tagen während der Herbstferien befassen sich die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer in 13 kleinen Gruppen mit Fragen aus Lebensmittelwissenschaften, Geschichte, Systemwissenschaft, Soziale Arbeit, Biologie, Kunst und anderen Wissenschaften. Die Kurse haben Titel wie „Experimentelle Ethik“ oder „Wasser – leicht zu verschmutzen, schwer zu reinigen.“ Finanziell wird die Herbstakademie von der Friedel & Gisela Bohnenkamp-Stiftung getragen.

Auf die Begegnung mit Ernst Ulrich von Weizsäcker haben sich die Schülerinnen und Schüler ernsthaft vorbereitet und Fragen entwickelt. So haben sie beispielsweise den Kinofilm „Immer noch eine unbequeme Wahrheit“ von Al Gore im Kino gesehen und ihre Eindrücke in ihren Fragekatalog aufgenommen. Von Weizsäcker war nicht der einzige, der seine Gedanken zum Schutz der Umwelt darlegte. Es sprachen auch der Klimaforscher Prof. Dr. Hartmut Graßl und Weihbischof Johannes Wübbe, Osnabrück. Organisiert wird die Herbstakademie von Reinhardt Fulge, ehemaliger Lehrer und Mitarbeiter der Osnabrücker Hochschulen. Moderiert wurde die Eröffnung von Klaudius Gansczyk von der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler.