Netzwerk Bildung zeichnet Schulen für ihre Übergangskultur aus

Für ihre Ideen zur Gestaltung des Übergangs in weiterführende Schulen zeichnete das Netzwerk Bildung folgende Schulen aus: die Geschwister-Scholl-Oberschule Bad Laer, das Osnabrücker Gymnasium „In der Wüste“, die Johannes-Vincke-Schule Belm, die Realschule Georgsmarienhütte und die Oberschule Neuenkirchen. Bildnachweis: Netzwerk-Bildung/ Uwe Lewandowski

In einem Satz brachte Prof. Dr. Claudia Solzbacher das Thema der Feierstunde auf den Punkt: „Gute Übergänge stiften sozialen Nutzen“, sagte die Osnabrücker Professorin für Schulpädagogik.

Das Netzwerk Bildung – Stiftungen für die Region Osnabrück – hat jetzt fünf weiterführende Schulen mit insgesamt 7.000 € für ihre beispielhafte Ideen ausgezeichnet, mit denen sie Viertklässlern und ihren Eltern den Übergang an die neue Schule erleichtern. Bei der Veranstaltung vor 80 Gästen im Haus Ohrbeck zeigte sich: Es sind oft kleine, einfach umsetzbare Punkte, die vor allem den Kindern helfen, sich leichter in die neue Situation einzufinden und Vertrauen zu entwickeln.

Ein rotes T-Shirt ist es zum Beispiel an der Oberschule Neuenkirchen. Sein Träger signalisiert damit den Fünft- und Sechstklässlerinnen und -klässlern: „Ich bin für dich da – sprich mich gern an!“ Getragen wird es von älteren Patinnen und Paten, die die „Neulinge“ durch den Schulalltag begleiten, nachdem sie sie zu Beginn persönlich begrüßt haben. Sie haben die T-Shirts bei Anlässen wie Schnuppertagen, Schulführungen, dem Tag der offenen Tür und Sportveranstaltungen an – und insbesondere in den ersten Wochen eines neuen Schuljahres in den Pausen, so dass sie mit einem Blick zu erkennen sind. Zudem helfen die Patinnen und Paten in der angrenzenden Grundschule bei größeren Veranstaltungen und gehören für die Jüngeren somit – zumindest teilweise – schon zum Schulalltag dazu, bevor der Wechsel kommt.

Schülerinnen und Schüler, Eltern sowie Lehrerinnen und Lehrer stünden angesichts des Wechsels auf die weiterführende Schule unter einem hohen Druck, sagte Solzbacher. Sie betonte, dass es eine Entscheidung sei, die für das weitere Leben des Kindes von Bedeutung sei. Dies habe nicht selten Auswirkungen auf die wichtige Eltern-Kind- sowie die Lehrer-Kind-Beziehung. Doch die Gestaltung des Übergangs nach der Grundschule sei – im Gegensatz zu der Phase zwischen Kita und Grundschule – bislang ein vernachlässigtes Thema: „Hier herrscht in der Tat großer Nachholbedarf, da dieser Schulwechsel für Kinder, Eltern und auch Lehrer zu einer der schwersten Entscheidungen gehört.“

Wie unterstützen weiterführende Schulen Viertklässler und ihre Familien beim Übergang in die fünfte Klasse? Unter dieser Frage hatte das Netzwerk Bildung im Frühjahr Schulen eingeladen, ihre innovativen Konzepte einzureichen. Eine Experten-Jury hat fünf von ihnen ausgewählt, die nun öffentlich vorgestellt wurden. Zu den Jurymitgliedern zählten Vertreter der Stiftungen des Netzwerks Bildung, die Pädagogin Prof. em. Dr. Hildegard Müller-Kohlenberg und Prof. Dr. Claudia Solzbacher. Sie zeichneten anlässlich des Tages der Stiftungen 2014 die Ideen zum Übergang der OBS Neuenkirchen, der Realschule Georgsmarienhütte, des Osnabrücker Gymnasiums „In der Wüste“, der Geschwister-Scholl-Oberschule in Bad Laer und der Johannes Vincke-Schule in Belm aus.

Letztere hat sich eng mit den Grundschulen des Ortes vernetzt: Gemeinsam entwickeln sie Dokumentations-bögen für die individuelle Lernentwicklung der Schülerinnen und Schüler, die von Klasse 1 bis 10 geführt werden. Mithilfe der Bögen stellt die Schule ab Klasse 5 eine direkte Anknüpfung an Förderschwerpunkte und eine Verzahnung mit dem schuleigenen Förderkonzept sicher. Ein vorbildliches Konzept, auch wenn es noch in den Anfängen steckt, notierte die Jury. Als neu eingerichtete, inklusiv und jahrgangsübergreifend geführte Oberschule nimmt die Johannes-Vincke-Schule seit dem Schuljahr 2013/2014 Schülerinnen und Schüler mit Laufbahnempfehlungen aller Schulformen auf. Die Schule nutzt die Dokumentationsbögen als aussägekräftiges Indiz für die Einstufung. Denn sie muss den Unterricht in den jahrgangsbezogenen Klassen der Oberschule auf mehreren Niveaustufen sicherstellen. Neben der aktuellen Note sind vor allem das längerfristige Gesamtbild und die Entwicklung des Kindes ausschlaggebend für die Kurszuweisung.

Das Konzept, das an der Geschwister Scholl-Oberschule in Bad Laer verfolgt wird, sei bemerkenswert, betonte Michael Prior: „Was uns als Jury und bei unserem Besuch der Schule beeindruckt hat, ist der konsequente Ansatz von Schulleitung und Kollegium, immer zuerst vom Kind her zu denken“, lobte der Sprecher des Netzwerks Bildung – Stiftungen für die Region Osnabrück – in seiner Laudatio. Bad Laer zeichne sich durch eine offene Lernatmosphäre aus, die konsequent vom Kind her gedacht ist. Der individuelle Förderunterricht für leistungsschwächere bzw. der Forderunterricht für leistungsstärkere Kinder wird direkt am Morgen angeboten, weil sich die Schülerinnen und Schüler dann besonders auf neue Herausforderungen konzentrieren können.

80 Gäste aus Schulen, Politik und Verwaltung waren der Einladung des Netzwerks Bildung zur Feierstunde gefolgt. Nun sind sie und andere Interessierte vom Netzwerk eingeladen, an einer Fortbildung zum Thema „Übergang gestalten“ am 24. November um15 Uhr an der Oberschule in Bad Laer teilzunehmen. Hierzu werden alle Grundschulen und weiterführenden Schulen der Region in den kommenden Tagen eingeladen.

Zum Hintergrund: Im Netzwerk Bildung haben sich zehn Stiftungen zusammengeschlossen, die die Zukunftschancen von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen verbessern möchten.