Mehr Mut zur Vernetzung

Viele Ideen zur „Übergangskultur an Schulen“ sammelten Michael Prior, Wolfgang Saltenbrock, Leiter der Oberschule Bad Laer, Hildegard Müller-Kohlenberg, Ina Eversmann, Geschäftsführerin der Bildungsstiftung im Osnabrücker Nordland, und Steffi Baalmann, didaktische Leiterin an der Oberschule Bad Laer, (von links) bei einem Workshop. Bildnachweis: Netzwerk Bildung.

 

Netzwerk Bildung veranstaltete Workshop zur Übergangskultur an Schulen

 

Patenschaften zwischen Schülerinnen und Schülern aber auch zwischen Eltern, Hospitationen, Kennenlerntage oder auch ganz einfach Papphände mit Namen drauf: Es sind zahlreiche Ideen zum Thema Übergang, die Lehrerinnen, Lehrer, Schulleiterinnen und Schulleiter von Grund- und weiterführenden Schulen zusammen getragen haben. Doch im Fokus des Workshops vom Netzwerk Bildung – Stiftungen für die Region Osnabrück – am 26. November stand vor allem ein Aspekt, den eine Lehrerin so auf den Punkt brachte: „Wir müssen viel mutiger sein, aufeinander zuzugehen“, sagte sie zum Austausch zwischen den Schulen, den das Netzwerk Bildung unterstützen möchte: „Wir wollen gute Ideen kommunizieren“, erläuterte Netzwerk-Sprecher Michael Prior bei der Begrüßung der 60 Gäste in der Geschwister-Scholl-Oberschule Bad Laer. Geleitet wurde der Tag von Prof. Dr. Hildegard Müller-Kohlenberg, Universität Osnabrück.

Anhand von fünf Themen hatten sich die Pädagoginnen und Pädagogen einen Nachmittag lang damit auseinander gesetzt, wie Übergänge zwischen der Grundschule und den weiterführenden Schulen möglichst reibungslos gestaltet werden können. „Ein abgestimmtes Methodencurriculum für den Übergang, das wäre so hilfreich“, sagte eine Teilnehmerin in der Gruppe, die sich mit der Optimierung der Zusammenarbeit von abgebenden (Grundschulen) und aufnehmenden Lehrkräften (weiterführende Schulen) befasste. Alle Teilnehmer befürworteten den Austausch und den gegenseitigen Besuch von Lehrkräften der unterschiedlichen Schulen und zeigten sich angetan von Elternpatenschaften. Dabei begleiten Eltern von Fünftklässlern Mütter und Väter von Viertklässlern durch die ersten Monate an der neuen Schule. Wie in den anderen Arbeitsgruppen auch wurde deutlich, dass es bereits viele Ideen und auch Verbünde von Schulen zur Übergangskultur gibt, aber: „Es muss eine übergeordnete Ebene zur Koordination geben, wenn man das Thema ernst nehmen will“, lautete ein Wunsch.

In einer anderen Gruppe setzten sich die Teilnehmer mit konkreten Herausforderungen administrativer und institutioneller Art für die Gestaltung des Übergangs auseinander, wobei auch diskutiert wurde, ob ein Zuviel an Information über einzelne Kinder einen unbelasteten Übergang auch verhindern könnte. Hier zeigten einige Lehrer die Spannbreite der Kommunikationsmethoden und den verantwortungsvollen Umgang der Lehrkräfte damit als Gegenargument auf. Als wichtiges Instrument zur Erleichterung des Übergangs wurden von einer Arbeitsgruppe sinnlich erfahrbare Hilfen benannt. Dazu gehören beispielsweise Begrüßungsrituale mit Händen aus Pappe, auf denen der Name der neuen Mitschüler notiert ist und die von den älteren Schülern überreicht werden. Rote T-Shirts werden an der Oberschule Neuenkirchen von den Schülerinnen und Schülern getragen, die die die Neuankömmlinge in den Pausen ansprechen können.

Die Frage nach erprobten Möglichkeiten für die Korrektur von Fehlentscheidungen bei der Wahl einer weiterführenden Schule sorgte für eine intensive Diskussion über die Zuständigkeit. Diese liegt in Niedersachsen bei den Eltern, Lehrerinnen und Lehrer können hier nur Empfehlungen aussprechen. Oft fehle es aber an der notwendigen Information der Eltern darüber, welche Möglichkeiten die Schulformen konkret böten. Der Besuch einer Real- oder Hauptschule bedeute für manche Familien eine Niederlage, was aber gar nicht der Fall sei, waren sich die Teilnehmer sicher. Wichtig seien hier zudem regelmäßige Gespräche mit den Eltern, in die nicht nur die Frage nach der Leistung, sondern auch nach dem Arbeits- und dem Sozialverhalten eingebunden ist.

Im fünften Arbeitskreis schließlich drehten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer um die Frage, welche Konsequenzen einer optimalen Übergangskultur in der Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern berücksichtigt werden sollten. Es sei wichtig, die Heterogenität der Schulformen bereits an der Universität stärker zu kommunizieren, damit sich die angehenden Pädagoginnen und Pädagogen frühzeitig darauf einstellen können. Hier gelte es auch, Austausch und Vernetzung zu solchen Themen frühzeitig zu ermöglichen.

In etwa einem Jahr planen die Stiftungen die Schulen der Region noch einmal einzuladen. Dann wollen sie schauen, welche der Ideen umgesetzt werden konnten und wo es weiterer Unterstützung bedarf. Der Workshop folgte der Veranstaltung des Netzwerks Bildung, bei der am 1. Oktober Schulen mit besonderen Konzepten zur Gestaltung des Übergangs ausgezeichnet wurden. Unter der Frage „Wie unterstützen weiterführende Schulen Viertklässler und ihre Familien beim Übergang in die fünfte Klasse?“ hatte das Netzwerk im Frühjahr Schulen eingeladen, ihre innovativen Konzepte einzureichen. Eine Experten-Jury hatte folgende Schulen ausgewählt und ausgezeichnet: die OBS Neuenkirchen, die Realschule Georgsmarienhütte, das Osnabrücker Gymnasium „In der Wüste“, die Geschwister-Scholl-Oberschule in Bad Laer und die Johannes Vincke-Schule in Belm.

Eine Handreichung zur Auszeichnung und zu den Ergebnissen des Workshops können Sie hier herunterladen.